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023 Dolchklinge

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – eine Dolchklinge aus heimischen Werkstätten

Dolchklinge

Fundort

Petershagen-Hävern

Kreis Minden-Lübbecke

 

Fundumstände

Kontext: Flussfund

Datum: Oktober 1989

 

Objekt

Material: Bronze

Länge: 26,8 cm

Breite: max. 5,0 cm

Dicke: 0,5 cm

 

Datierung

um 1500 v. Chr.

Epoche: Mittlere Bronzezeit

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – eine Dolchklinge aus heimischen Werkstätten

Nicht nur mit Pinsel und Kelle lassen sich archäologische Fundstücke entdecken, manchmal helfen auch Bagger: Kies- und Sandabbaubetriebe haben sich oft in beträchtlicher Zahl entlang großer Flüsse angesiedelt und sind zu einer wichtigen Fundquelle geworden. In Westfalen betrifft das neben der Lippe und der Ems vor allem die Weser, die sich ganz am östlichen Rand des Landes durch die Landschaft windet. Immer wieder werden in diesen Kies- und Sandgruben spektakuläre Funde entdeckt, die neue Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen. 

So geschehen auch im Oktober 1989, als ein Schwimmbagger in einer Kiesgrube in Petershagen-Hävern eine bronzene Dolchklinge aus großer Tiefe ans Tageslicht förderte. Im Gegensatz zu den meistens grün patinierten Bronzeobjekten, die in Museen oft in großer Zahl ausgestellt werden, wies dieses Stück durch die Lagerung im Wasser bei der Auffindung eine braune Färbung auf. Durch eine anschließende Reinigung der Oberfläche kam schließlich die ursprüngliche goldschimmernde Farbe wieder zum Vorschein. Die fast 27 cm lange Klinge ist ausgesprochen gut erhalten. Nur der Griff, der aus organischem Material wie Holz oder Knochen bestand und mit sieben Bronzenieten mit der Klinge verbunden war, ist vergangen. 

Das Stück gehört zu den ältesten Metallwaffen, die keine Importe sind, sondern in Ostwestfalen und Niedersachsen hergestellt wurden. Die dortigen Handwerker produzierten ab 1600 v. Chr. gleich eine ganze Palette von Waffen: Dolche, Kurzschwerter und Schwerter. Die Übergänge zwischen diesen Formen sind dabei fließend.

Diese Handwerker bzw. Schmiede hatten bereits komplexe Kenntnisse der verschiedenen Metallverarbeitungstechniken: Die Klinge gossen sie in einer Form, in der die tiefen, v-förmig zulaufenden Linien in der Mitte der Klinge möglicherweise bereits angelegt waren. Dann hämmerten sie beide Seiten des erkalteten Bronzestücks aus, um scharfe Schneiden zu erhalten. Dabei musste das Metall immer wieder erhitzt werden, damit es sich entspannen konnte und nicht zerbrach. Auf beiden Seiten der Klinge trieben sie zudem mit Hammer und Punzen, Stichel oder Meißel die aufwendigen ziselierten bzw. punzierten Verzierungen aus Linien, Dreiecken und Punkten in die Oberfläche des Metalls. Schließlich wurde ein Griff mit Nieten an der Klinge befestigt. 

Das Ergebnis hat wohl auch den Göttern gefallen, denen es wahrscheinlich geopfert wurde. So interpretieren wir die zahlreichen Gewässerfunde aus der Bronzezeit.

Birgit Mecke

Weiterführende oder zitierte Literatur

Daniel Bérenger, Neue Bronzen aus Ostwestfalen. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 9/A, 1997, 113–128 (bes. 117–121).

Daniel Bérenger, Waffen und Gefäß im Wasser: Kiesgrubenfunde an der Mittelweser. In: Daniel Bérenger/Christoph Grünewald (Hrsg.), Westfalen in der Bronzezeit (Münster 2008) 119.

Jens Berthold, Grenzgänger aus der Bronzezeit und weitere Funde entlang der Mittelweser. Archäologie in Westfalen-Lippe 2013, 2014, 70–72.

Beate Herring, Die Gräber der frühen bis mittleren Bronzezeit in Westfalen. Eine Analyse der Bestattungssitten unter besonderer Berücksichtigung des Grabbaus und ihre Einbettung in die angrenzenden Gebiete. Bodenaltertümer Westfalens 48 (Mainz 2009).

© LWL/Stefan Brentführer