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013 Tierzahnanhänger

Stilbewusste Trophäensammler, stolze Jäger und zahme Hunde

© LWL/Stefan Brentführer

Tierzahnanhänger und Kupferspirale

Fundort

Erwitte-Schmerlecke

Kreis Soest


Fundumstände

Kontext: Großsteingrab

Datum: 2009–2013


Objekt

Material: Zähne von Hunden, Wölfen, Bären, Füchsen, Mardern; Kupfer

Länge: Zähne 1,7 cm bis 5,4 cm, Kupferspirale 8,5 cm


Datierung 

3500–2800 v. Chr. (14C-Datierung)

Epoche: Spätneolithikum

Kultur: Wartbergkultur


Import

Herstellungsregion: Kupferspirale aus nordostalpinem bzw. karpatenländischem Raum

Herstellungszeit: Spätneolithikum

Stilbewusste Trophäensammler, stolze Jäger und zahme Hunde

Was wäre der Mensch ohne sein Haustier? Hierzulande folgt uns beispielsweise der Hund schon seit 14.000 Jahren auf Schritt und Tritt – und zuweilen sogar bis in den Tod. So auch im jungsteinzeitlichen Erwitte-Schmerlecke, wo zahlreiche Spuren von ihm in zwei Großsteingräbern mit über 700 Toten gefunden wurden. Die Hunde wurden hier vor 5000 Jahren allerdings nicht bestattet. Das wäre selbst bei den über 20 m langen und bis zu 5 m breiten Grabkammern nicht möglich gewesen: Es waren immerhin mehrere hundert Tiere! Nachweisen lassen sie sich anhand von durchlochten Zähnen, die als Kettenanhänger getragen oder auf Kleidungsstücken aufgenäht wurden und offenbar ein modischer Dauerbrenner waren. Etwa drei Viertel der gut 5000 Anhänger stammen von Hunden. Es scheint zumindest, dass nahezu jeder Bestattete – gleich welchen Alters oder Geschlechts – von einem oder mehreren Hunden symbolisch in den Tod begleitet wurde.

An einem Hundeeckzahn fand sich zudem eine grünliche Verfärbung an der Durchlochung, die nur von einem Kupfergegenstand stammen kann. Erstmals können wir so nachweisen, dass Kupferschmuck, wie etwa die hier gezeigte Spirale, und Tierzahnanhänger gemeinsam getragen wurden. Bedenkt man, dass Kupfer als erstes Metall in Westfalen (→ Nr. 011) eines der wertvollsten Güter war, die man besitzen konnte, zeigt sich darin auch die Wertschätzung des Hundes – ob als treuer Freund, Hütehund, Zug- und Lasttier oder Fleischlieferant.

Doch nicht nur aus Hundezähnen machte man Schmuck: Viele Anhänger stammen von Wildtieren, die offenbar auch 1800 Jahre nach der Einführung von Ackerbau und Viehzucht noch eine bedeutende Rolle spielten. Unter den nachgewiesenen Arten sind Füchse, Luchse, Wildkatzen, Dachse, Marder und sogar Otter, die vermutlich vor allem als Pelzlieferanten dienten, aber auch listige und gefährliche Räuber waren, die nur mit großem Geschick erlegt werden konnten. Es sind darüber hinaus Zähne von weit größeren und gefährlicheren Raubtieren wie Wölfen und sogar Bären dabei, die als Jagdtrophäe zu werten sein dürften. In diesem Sinne sind auch die insgesamt vergleichsweise selten auftretenden durchlochten Hirscheckzähne zu verstehen: Noch heute haben sie aufgrund ihrer besonderen tropfenartigen Form einen hohen Trophäenwert, der dem eines kapitalen Geweihs kaum nachsteht.

Da die Trophäen als persönlicher Besitz der Verstorbenen mit ins Grab gelangten, zeugen sie sicherlich vom Erfolg eines stolzen Jägers – in ihrer Summe verraten die Anhänger aber auch etwas über den Modegeschmack der jungsteinzeitlichen Schmerlecker insgesamt, über ihre Lebenswelt und ihre Wirtschaftsweise. Gräber erzählen eben nicht nur vom Jenseits, sondern immer auch vom Leben.

Kerstin Schierhold

Archiv

Zentrales Fundarchiv der LWL-Archäologie für Westfalen, Münster (nicht öffentlich zugänglich)

Weiterführende oder zitierte Literatur

Ralf Gleser, Ein Technologiesprung – Frühes Metall. Wissen, Funktion und Symbol. In: Thomas Otten u. a. (Hrsg.), Revolution Jungsteinzeit. Ausstellungskatalog Bonn, Detmold, Herne. Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 11,1 (Darmstadt 2015) 250−259.

Christian Meyer/Kerstin Schierhold, Auf den Hund gekommen − Tierzahnschmuck aus den Gräbern von Erwitte-Schmerlecke. Archäologie in Westfalen-Lippe 2012, 2013, 41–44.