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068 Schwertgurt

Weltgewandter, moderner Krieger mit Kontakt zu Nordmännern

© LWL/Stefan Brentführer

Schwertgurtbeschläge, Typ Civezzano

Fundort

Bergkamen

Kreis Unna


Fundumstände

Kontext: Grab

Datum: 2011


Objekt

Material: Eisen, Buntmetall, Silber


Datierung 

650–700

Epoche: Frühmittelalter

Herrschergeschlecht: Merowinger


Import

Herstellungsregion: Süddeutschland

Herstellungszeit: 650–700

Weltgewandter, moderner Krieger mit Kontakt zu Nordmännern

»Ferro splendeo opus arg(e)nto« – eine alte Zauberformel? Fast: Die Formulierung »Ich, ein Werk aus Eisen, glänze wie Silber« hat zwar keine magischen Kräfte, verleiht aber dem Zauber Ausdruck, der von Gegenständen ausgeht, die in der aufwendigen Technik der Tauschierung verziert sind. Hierfür werden in einem härteren Grundmetall, zum Beispiel Eisen, Muster mit einem Stichel oder Meißel eingeschnitten. In diese Vertiefungen werden anschließend Drähte oder Bänder aus einem weicheren Metall eingelegt und eingehämmert. Um schöne Farbkontraste auf dem Eisen zu erzielen, wurden die Einlegarbeiten meist in Buntmetall, Silber oder auch Gold ausgeführt.

Die Tauschierung ist bereits in der römischen Kaiserzeit bekannt, zu einer Blüte kommt es jedoch erst ab dem 5. Jahrhundert vor allem in Nordfrankreich und am Rhein. Unsere »Zauberformel« steht als Inschrift auf einem Taschenbügel aus dem 7. Jahrhundert und erklärt die Beliebtheit der Tauschierungen: Sie waren relativ erschwinglich, aber überaus schmückend!

Tauschiert wurden verschiedene Gegenstände, besonders prägnant sind allerdings die zahlreichen Metallbeschläge von Waffengurten. Sie kommen im 7. Jahrhundert, beeinflusst wohl durch das damals langobardische Italien, in Süddeutschland auf. Von dort finden sie Eingang in die Schweiz, das Burgund, das Rheinland und auch in Nordfrankreich, Belgien und die Niederlande. Die charakteristischen Beschläge mit den oftmals mehrfarbigen Einlagen zeigen Tiere mit über den Rücken nach hinten gewandten Köpfen kombiniert mit Flechtbändern.

Die Stücke aus dem Grab in Bergkamen gehören zu dem ersten vollständigen Schwertgurt-Ensemble dieser Art in Westfalen. Die Spatha, das zweischneidige Langschwert, das an dem Gurt getragen wurde, hatte auf der Klinge aufwendige Schweißmuster aus Halbkreisen und parallelen Linien. Neben der Spatha wurde dem Toten eine komplette Waffenausstattung mit ins Grab gegeben. Ein einschneidiger Sax, drei Pfeile und vor allem gleich drei Schilde – der hier Bestattete war geradezu überbewaffnet.

Vergleichbare Grabausstattungen finden sich in Europa ausschließlich in Skandinavien. Sie werden als Gräber vornehmer Leute, eventuell militärischer Führungspersönlichkeiten, angesprochen. Beziehungen zwischen der dortigen Kriegeraristokratie und den Merowingern sind seit dem 6. Jahrhundert belegt. So ist es wahrscheinlich, dass auch skandinavische Krieger im Merowingerreich dienten – die Kriegergefolgschaften setzten sich schließlich aus Männern aus den unterschiedlichsten Gebieten zusammen. So kam vielleicht auch ein in Bergkamen beigesetzter Krieger als Angehöriger einer überaus mobilen Elite im Frühmittelalter zu dieser einzigartigen Grabausstattung mit süddeutschen und skandinavischen Einflüssen.

Eva Cichy

Archiv

Zentrales Fundarchiv der LWL-Archäologie für Westfalen, Münster (nicht öffentlich zugänglich)

Weiterführende oder zitierte Literatur

Dunja Ankner-Dörr/Eva Cichy/Dirk Sander, Ein Spathagurt in Bergkamen – erste typologische und technologische Ergebnisse. Archäologie in Westfalen-Lippe 2012, 2013, 66–69.

Heiko Steuer, Helm und Ringschwert. Prunkbewaffnung und Rangabzeichen germanischer Krieger. Studien zur Sachsenforschung 6, 1987, 203–236.