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083 Pilgerzeichen

Der Weg ist das Ziel! Im Stau zum Seelenheil

© LWL/Stefan Brentführer

Pilgerzeichen Heilige Drei Könige

Fundort

Welver

Kreis Soest


Fundumstände

Kontext: Siedlung

Datum: 2015


Objekt

Material: Blei-Zinn-Legierung

Breite Bildfeld: 3 cm

Höhe Bildfeld: 2 cm


Datierung 

1275–1350

Epoche: Spätmittelalter

Stilepoche: Gotik


Import

Herstellungsort: Köln

Herstellungszeit: 1275–1350

Der Weg ist das Ziel! Im Stau zum Seelenheil

Hier wohnten fromme Leute! In einer mittelalterlichen Wüstung – einer verlassenen Siedlung – klebte unter einem Stein im Eingangsbereich eines Gebäudes ein mittelalterliches Pilgerzeichen. Es bewies, dass einer der Bewohner des Hofes bei Welver die weite Reise bis nach Köln auf sich genommen hatte, aber über seine Gründe können wir nur spekulieren. Unternahm er die Pilgerfahrt für das eigene Seelenheil, um Vergebung für seine Sünden zu erlangen? Hoffte er durch die Fürsprache der Heiligen auf die Linderung von Schmerzen oder auf Heilung? Oder pilgerte er für einen Verstorbenen, der in seinem Testament eine Pilgerfahrt für sein Seelenheil gestiftet hatte?

An seinem Ziel angekommen, erwarb er jedenfalls als sichtbaren Beweis für die erfolgreiche Wallfahrt das Pilgerzeichen, das durch die Ösen an den Seiten an Tasche, Hut oder Bekleidung befestigt werden konnte. Es war aber mehr als nur ein Souvenir, es schützte den Pilger auf seiner Reise und in vielen Städten bekam er Unterkunft und Verpflegung gestellt.

Die Pilgerzeichen wurden als Massenware hergestellt. Die Kölner Exemplare weisen dabei aber eine Besonderheit auf: Sie wurden in ihrer Ausgestaltung regelmäßig der Domansicht angepasst, die sich durch den Baufortschritt ständig veränderte. So kann man an der Domsilhouette im oberen Bereich des Abzeichens das Fortschreiten des gotischen Chorbaus nachvollziehen und erhält einen Anhaltspunkt für die zeitliche Einordnung der Darstellung um 1300.

Im eigentlichen Bildfeld huldigen links die Heiligen Drei Könige der sitzenden Maria und dem Kind. Das Zeichen lässt vermuten, dass der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom das Ziel unseres Pilgers war. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist die größte mittelalterliche Goldschmiedearbeit in Europa. Die als Gebeine der Heiligen Drei Könige verehrten Reliquien sind noch heute das Ziel von Wallfahrten.

Der Besuch von Wirkungsstätten der Heiligen ist ein Phänomen, das seit dem Beginn des Christentums existiert. Aufgesucht wurden zunächst ferne Wallfahrtsorte: Jerusalem, Rom, seit der Jahrtausendwende auch Santiago de Compostela. Köln entwickelte sich wie Aachen ab 1200 zu einem Massenwallfahrtsort. Sie waren beliebte Zwischenziele auf dem Weg zu den weiter entfernten Orten, zu denen zahlreiche Pilgerwege aus ganz Europa über verschiedene Routen führten. Die Pilgerfahrt wurde spätestens dann zu einem Massenphänomen, als man sie auch als gerichtliche Strafe verhängte. So berichten Quellen, dass es durch die große Zahl der Pilger in den jeweiligen Städten teilweise nicht nur zu Unterbringungs- und Verpflegungsproblemen kam, sondern auch der Verkehr an sich behindert wurde – was wohl moderne Stauforscher dazu sagen würden?

Eva Cichy

Archiv

Zentrales Fundarchiv der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster (nicht öffentlich zugänglich)

Weiterführende oder zitierte Literatur

Eva Cichy, Steinerne Fundamente und ein Pilgerzeichen – eine neuentdeckte Hofwüstung in Welver. Archäologie in Westfalen-Lippe 2015, 2016, 136–139.

Andreas Haasis-Berner/Jörg Poettgen, Die Mittelalterlichen Pilgerzeichen der Heiligen drei Könige ein Beitrag von Archäologie und Campanologie zur Erforschung der Wallfahrt nach Köln. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 30, 2002, 173–202.