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033 Briquetage

Salzproduktion am Hellweg – Megapuzzle aus der Eisenzeit

© LWL/Stefan Brentführer

Briquetage

Fundort

Werl

Kreis Soest


Fundumstände

Kontext: Saline

Datum: 1963–1999


Objekt

Material: Keramik

Tiegel: Höhe 14 cm, Durchmesser 15 cm

Stützen: Höhe 8–11 cm, Durchmesser 4–5 cm


Datierung 

600 v. Chr.

Epoche: Frühe Eisenzeit

Salzproduktion am Hellweg – Megapuzzle aus der Eisenzeit

Salz ist lebensnotwendig. Das für den Stoffwechsel der Zellen unentbehrliche Mineral nahmen die Menschen der Alt- und Mittelsteinzeit in ausreichender Menge mit der Nahrung auf, da sie viel Fleisch und Blut verzehrten. Ab der Jungsteinzeit stand mehr pflanzliche Nahrung auf dem Speiseplan, sodass der Mineralienhaushalt auf anderen Wegen ausgeglichen werden musste. Noch wichtiger war Salz aber für die Konservierung von Fleisch, Fisch und anderen Lebensmitteln – und daher ein wertvolles Handelsgut. Bereits in der Bronzezeit bescherte es einigen Regionen, wie dem österreichischen Hallstatt, unerhörten Reichtum. Dort kommt es in Salzadern unter Tage vor und wurde bergmännisch abgebaut.

In Gegenden ohne solche Vorkommen wird salzhaltiges Wasser – aus dem Meer oder aus Solequellen – benötigt. Wenn man dies verdunsten lässt, verbindet sich das im Wasser gelöste Salz zu Kristallen, die genutzt werden können. In vielen Teilen Europas machten sich die Menschen ab der Jungsteinzeit dieses Prinzip zunutze.

An den Rändern der kreidezeitlichen Schichten des Münsterländer Beckens tritt salzhaltiges Grundwasser an die Oberfläche, so auch in Werl. Da das Klima in Werl aber nicht trocken und heiß genug ist, halfen die Menschen der natürlichen Verdunstung nach und hinterließen dabei Spuren, die es uns ermöglichen, das damalige Verfahren zu rekonstruieren. Viele Scherben von kleinen, dickwandigen Tiegeln und langen zylinderförmigen Stützen belegen, dass Feuer als Hitzequelle genutzt wurde, um die Verdunstung voranzutreiben. Man stellte vermutlich flache, weit geöffnete Gefäße auf die Stützen. Durch die Hitze darunter verdunstete das Wasser, zurück blieben durchfeuchtete Salzkristalle. Wahrscheinlich wurden diese dann zum Trocknen und Formen in die kleinen Tiegel gefüllt.

Diese Tiegel und Stützenreste werden Briquetage genannt und kommen in ganz Europa vor. Sie bilden zum Teil riesige Abfallhaufen von etlichen Kubikmetern und ähneln sich sehr, auch in weit entfernten Regionen. Die Rekonstruktion des stark zerscherbten Materials und der Salzproduktion variiert je nach Fundort und wird durch die große Fundmenge erschwert, wenn nicht unmöglich. Im Gegensatz zu den kompakten Tiegeln und Stützen sind Reste der dünnwandigeren großen Verdunstungsschalen selten oder werden seltener erkannt. Aber in Großbritannien fanden Forscher Reste von flachen Schalen, die als Vorläufer zu den von den Römern eingeführten Exemplaren aus Blei zu interpretieren sind. Größere flache Gefäße aus der Eisenzeit sind unter anderem auch aus Frankreich, Spanien und Baden-Württemberg bekannt.

Vielleicht kann ja ein geduldiger Puzzlekünstler diese Fragen einmal beantworten.

Susanne Jülich

Weiterführende oder zitierte Literatur

Susanne Jülich, Die frühmittelalterliche Saline von Soest im europäischen Kontext. Bodenaltertümer Westfalens 44 (Mainz 2007).

Susanne Jülich, Salz in der Eisenzeit. In: Jürgen Gaffrey/Eva Cichy/Manuel Zeiler (Hrsg.), Westfalen in der Eisenzeit (Münster 2015) 142–143.

Manuel Zeiler, Zur Technologie in der Eisenzeit. In: Jürgen Gaffrey/Eva Cichy/Manuel Zeiler (Hrsg.), Westfalen in der Eisenzeit (Münster 2015) 126–129.