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086 Silberbrosche

Der Kunde ist Ritter – eine Sonderanfertigung für den Edelherren

© LWL/Stefan Brentführer

Silberbrosche mit vier aufgesetzten goldenen Männerköpfen (Fürspann)

Fundort

Detmold-Berlebeck, Falkenburg

Kreis Lippe


Fundumstände

Kontext: Burg

Datum: um 2007


Objekt

Material: Silber, Gold

Durchmesser: 1,3 cm


Datierung 

1300–1350

Epoche: Spätmittelalter

Stilepoche: Gotik

Der Kunde ist Ritter – eine Sonderanfertigung für den Edelherren

Schmuck ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Das Bedürfnis, sich zu unterscheiden, darzustellen, auszudrücken, herauszuputzen und seinen Wohlstand sichtbar zu machen – wenn man denn welchen hatte –, gab es wohl schon immer. Schmuck ist deshalb auch im Mittelalter in den unterschiedlichsten Formen und Größen und aus den verschiedensten Materialien für Männer und Frauen hergestellt worden. Getragen wurde er entweder im Alltag oder zu Festen und Feiern. Schon damals war all das beliebt, was wir heute noch gerne tragen: Halsketten, Ringe an Ketten, Fingerringe, im frühen Mittelalter auch Armreifen und Armbänder und im Spätmittelalter Kopfschmuck aller Art. Auch die Kleidung wurde verschönert. Dazu kamen unterschiedlich aufwendig gearbeitete Fibeln, mit denen man ursprünglich die Kleidung verschloss. Mit der Verbreitung der Knöpfe im 13. Jahrhundert wurden Fibeln als Verschluss allmählich überflüssig. Ihre Nachfolger waren kleinere, aufwendig gearbeitete Broschen, die nun vorwiegend als Schmuck fungierten.

Solch eine kleine Ringbrosche des 14. Jahrhunderts wurde auch auf der Falkenburg bei Detmold gefunden. Es handelt sich um ein außerordentlich schönes, hochwertig verarbeitetes Luxusgut. Die Brosche besteht aus einer Silberspange, auf die vier feuervergoldete, sehr kleine Männerköpfe aufgelötet wurden. Zu ihrer Befestigung diente eine Nadel. Ähnliche Stücke sind aus Münster und Aschersleben bekannt. Diese Broschen wurden sicher als spezielle Auftragsarbeit für eine wohlhabende Person gefertigt, ob für eine Frau oder einen Mann ist allerdings nicht mit Sicherheit zu sagen. Die kleinen zierlichen Ringbroschen aus dem Mittelalter nennt man »Fürspann«. Sie waren eine Sonderform der Fibel, man trug sie vorn auf der Brust entweder am Mantel oder als Verschluss des Halsausschnittes der Cotta, dem einer Tunika ähnlichen langärmeligen Schlupfkleid, das im Mittelalter Männer und Frauen trugen. Der Fürspann zeichnet sich durch einen besonderen Formenreichtum aus und ist oft mit figürlichen – wie im vorliegenden Fall – oder abstrakten Verzierungen versehen. Waren die vier plastischen Köpfe reiner Schmuck oder symbolisierten sie möglicherweise die vier Kardinalstugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit? Ein schöner Gedanke, aber leider wissen wir es nicht.

Schmuck aus archäologischen Ausgrabungen ist im Mittelalter aufgrund der meist an Beigaben armen Bestattungen äußerst selten. Fast immer stammen die erhaltenen Fundstücke aus Schatzfunden, es sind also Objekte, die ihre ehemaligen Besitzer versteckten und aus welchen Gründen auch immer nicht wieder bergen konnten. Dazu kommen auch ganz klassische Verlustfunde, wie es beispielsweise für die Silberbrosche von der Falkenburg anzunehmen ist.

Elke Treude

Weiterführende oder zitierte Literatur

Stefan Krabath/Lothar Lambacher, Der Pritzwalker Silberfund. Schmuck des späten Mittelalters. Bestandskatalog 23 des Kunstgewebemuseums Staatliche Museen zu Berlin (Pritzwalk 2006).

Johannes Müller-Kissing/Hans-Werner Peine/ Elke Treude, Zeugnisse von Krieg und Frieden auf der Falkenburg bei Detmold. Archäologie in Westfalen-Lippe 2012, 2013, 117–121.

Ruth Tegethoff, Der Schatzfund aus dem Stadtweinhaus in Münster. Vergleichende Untersuchung der Schmuckstücke aus dem Schatzfund in der Judengasse hinsichtlich Herstellungstechnik und Gestaltung. ZAM Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 30, 2002, 332.