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070 Kreuzfibel

Wie alt ist das goldene Bekenntnis?

© LWL/Stefan Brentführer

Kreuzfibel

Fundort

Warburg-Ossendorf, Wallanlage Gaulskopf

Kreis Höxter


Fundumstände

Kontext: Wallanlage

Datum: 1991


Objekt

Material: Gold

Länge: 2,40 cm

Breite: 2,35 cm


Datierung 

650–710

Epoche: Frühmittelalter

Herrschergeschlecht: Merowinger

Wie alt ist das goldene Bekenntnis?

Grabung auf der Wallanlage Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Sommer 1991, gegen 10 Uhr morgens: Eine Studentin kommt aufgeregt angelaufen: »Das hier ist doch nicht alt, oder?« Sie öffnet die Hand und zeigt ein Schmuckstück, das wie neu in der Sonne glitzert, so als käme es frisch vom Juwelier. Eine kleine Fibel in Kreuzform, ganz aus Gold, ein wenig abgenutzt und die Nadel fehlt – was ihre Bestimmung als »alt« schon wahrscheinlicher macht. Gold verwittert nicht und läuft auch nicht an wie Silber. Außerdem wurde der Fundort im Frühmittelalter als Befestigungsanlage genutzt. Sollte das Schmuckstück tatsächlich aus dieser Zeit stammen?

Die Verwendung eines christlichen Symbols wie dem Kreuz ist in Westfalen lange Zeit nicht vor dem ausgehenden 8. Jahrhundert denkbar gewesen, denn die Westfalen waren – so berichten es die zeitgenössischen Schriftquellen – überzeugte Heiden. Bis Karl der Große kam. Er überzog die Sachsen, zu denen er auch die Westfalen zählte, ab dem Jahr 772 mit Krieg, um sie zum Christentum zu zwingen (→ Nr. 071).

Aber waren zu dieser Zeit wirklich alle Westfalen noch Heiden? Aus mehreren Gräbern, vor allem in der Hellweg-Region, sind Schmuckstücke mit Kreuzornamenten bekannt geworden, die aus dem 6. und 7. Jahrhundert stammen. In der Petrikirche auf der Hohensyburg in Dortmund steht ein christlicher Grabstein, der in die Merowingerzeit, also in das 7. Jahrhundert, gehört. Außerdem wurde vor wenigen Jahren in Dülmen eine Grube entdeckt, in der mindestens zwei Glocken gegossen wurden, naturwissenschaftlich datiert auf die Zeit vor den Sachsenkriegen. Hier existierte offenbar bereits im frühen 8. Jahrhundert eine Kirche gefahrlos im vermeintlichen Heidenland.

Auch bei der Grabung auf dem Gaulskopf kam ein Grundriss zutage, der als Kirchenbau interpretiert wurde. Er war Ost-West-ausgerichtet wie drei beigabenlose Körpergräber etwas weiter nördlich. Die Gräber werden von einem anderen Gebäude überlagert, das Funden zufolge noch dem 7. Jahrhundert angehören könnte. Dies gibt einen Hinweis darauf, dass das Kirche-Gräber-Ensemble noch älter ist. Und eine Formanalyse der goldenen Kreuzfibel spricht dafür, dass sie bereits im 7. Jahrhundert hergestellt wurde.

Innerhalb der Befestigungsanlage auf dem Gaulskopf lebten demnach schon im 7. Jahrhundert Menschen, die mit dem Christentum vertraut waren und sich auch offen dazu bekennen konnten. Es waren vor allem die Eliten, die durch überregionale Verbindungen von den Lehren des Christentums gehört und sich ihm bereits teilweise angeschlossen hatten. Wenn sich daran bis zum Ende des 8. Jahrhunderts nichts geändert hatte, rannte Karl der Große hier offene Türen ein.

Vera Brieske

Museum

LWL-Museum in der Kaiserpfalz, Paderborn

Weiterführende oder zitierte Literatur

Werner Best, Die Ausgrabungen in der frühmittelalterlichen Wallburg Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kr. Höxter. Vorbericht. Mit einem Beitrag von Holger Löwen. Germania 75, 1997, 159–192.

Vera Brieske, Frühe Christen in Westfalen? Zur Zeitstellung der Goldkreuzfibel vom Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kr. Höxter. In: Peter Fasold/Liane Giemsch/Kim Hofmann/Daniel Winger (Hrsg.), Forschungen in Franconofurd. Festschrift Egon Wamers. Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 28 (Regensburg 2017) 223–232.

Vera Brieske, Das Goldkreuz vom Gaulskopf – christliche Symbole im merowingerzeitlichen Westfalen. Archäologie in Westfalen-Lippe 2016, 2017, 217–220.

Vera Brieske/Christoph Grünewald/Babette Ludowici, Bodenfunde legen Zeugnis ab: Frühe Christen am Hellweg. In: Babette Ludowici (Hrsg.), Saxones. Ausstellungskatalog Hannover, Braunschweig. Neue Studien zur Sachsenforschung 7 (Darmstadt 2019) 254–264.

Ingo Pfeffer, Der Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kr. Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 7 2(Münster 2015).