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080 Reitersporn

Wie man ein Pferd beschleunigt? Gib ihm die Sporen!

© LWL/Stefan Brentführer

Stachelsporn

Fundort

Hamm, Burg Mark

Kreisfreie Stadt Hamm


Fundumstände

Kontext: Burg

Datum: 1939


Objekt

Material: Bronze (mit Goldauflage)

Länge: 13,5 cm

Breite: 8,5 cm

Gewicht: 113 g


Datierung 

13. Jahrhundert

Epoche: Hoch-/Spätmittelalter

Herrschergeschlecht: vermutlich Staufer

Stilepoche: Romanik

Wie man ein Pferd beschleunigt? Gib ihm die Sporen!

»Einem Pferd die Sporen geben« – selbst wenn man kein Pferdeliebhaber ist, kennt man Redewendungen wie diese. Die am Schuh befestigten Metallbügel mit dem Dorn an der Ferse haben aber nicht nur sprichwörtliche Bedeutung. Sie erlauben dem Reiter, das Pferd zu lenken und effektiver als mit bloßem Schenkeldruck auf Bewegung und Schnelligkeit des Tieres einzuwirken. Da der Dorn höher liegt als die Schuhsohle, ist es dem Reiter möglich, damit kurze Strecken zu gehen, ohne die Sporen abnehmen zu müssen.

Neben der reinen Funktionalität, die auch das hier abgebildete wertvolle Exemplar besaß, waren Sporen ein Symbol für den Ritterstand, der seine kriegerischen Aufgaben ohne eigenes Pferd nicht hätte erfüllen können. Schließlich bestanden die Fehden und Kriege des Mittelalters aus Zweikämpfen zu Pferde, Überfällen, Viehraub und Brandschatzen. Ständige Beweglichkeit war also gefordert und dafür waren speziell ausgebildete Pferde eine unabdingbare Voraussetzung und entsprechend kostspielig.

Wie eng die Verbindung von Reiter und Pferd gesehen wurde, zeigte sich bei der Aufnahme eines Mannes in den Ritterstand. Bei der feierlichen Zeremonie der Schwertleite, später des Ritterschlags, wurde dem Anwärter nicht nur ein Schwert, sondern auch ein Paar Sporen übergeben – die er sich zuvor verdient haben musste. Schwert und Sporn waren Symbole ritterlicher Wehrhaftigkeit.

Sporen waren aber trotz aller Symbolik in erster Linie Gebrauchsgegenstände, die ständig genutzt wurden und selten aus anderen Materialien als aus Eisen gefertigt worden sind. Insofern stellt das bronzene Exemplar von der Burg Mark eine Ausnahme dar. Dieser Umstand, der auf ein klein wenig Eitelkeit schließen lässt, wirft ein Licht auf den Besitzer der Sporen und damit auch auf den Fundort, die Burg Mark östlich von Hamm.

Sie wurde zur Keimzelle des Landes Mark, das in Westfalen im 13./14. Jahrhundert eine den geistlichen Fürstbistümern Köln und Münster ebenbürtige Rolle gespielt hat. Sein rot-weißes Schachbrettwappen ist noch heute Bestandteil der Wappen zahlreicher Städte und Kreise. Die Grafen verfügten über eine große Ritterschaft, die als Lohn für ihren Dienst auf einer Burg Einnahmen in Form von Land oder jährlichen Geldzahlungen, ein Burglehen, erhielt. Die Burgmannschaft von Burg Mark stammte aus den wichtigen Adelsgeschlechtern des Umlandes. Und einer dieser Dienstleute wird bei seinem Aufenthalt – vielleicht anlässlich einer Urkundenausstellung seines gräflichen Herrn – zu seinem großen Ärger den wertvollen Sporn verloren haben.

Cornelia Kneppe

Museum

Gustav-Lübcke-Museum, Hamm

Weiterführende oder zitierte Literatur

Georg Eggenstein, Vor, während und nach 1226 – Burg Mark. In: Georg Eggenstein/Ellen Schwinzer, Zeitspuren. Die Anfänge der Stadt Hamm. Ausstellungskatalog Hamm. Notizen zur Stadtgeschichte 8 (Bönen 2001) 76–78.

Norbert Goßler, Untersuchungen zur Formenkunde und Chronologie mittelalterlicher Stachelsporen in Deutschland (10.–14. Jahrhundert). Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 79, 1998, 479–659.

Norbert Goßler, Reiter und Ritter. Formenkunde, Chronologie, Verwendung und gesellschaftliche Bedeutung des mittelalterlichen Reitzubehörs aus Deutschland. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns 49 (Schwerin 2011).

Richard Zschille/Robert Forrer, Der Sporn in seiner Formen-Entwicklung. Ein Versuch zur Characterisirung und Datirung der Sporen unserer Kulturvölker (Berlin 1891) bes. 10–12.