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041 Eberfigur

Gleich zweimal Schwein gehabt – ein keltischer Eber in Westfalen

© LWL/Stefan Brentführer

Eberstatuette

Fundort

Erwitte

Kreis Soest


Fundumstände

Kontext: Einzelfund

Datum: 2002 und 2005


Objekt

Material: Bronze

Länge: 9,8 cm

Breite: 2,8 cm

Höhe: 7,0 cm


Datierung 

2.–1. Jahrhundert v. Chr.

Epoche: Späte Mittel- bis Spätlatènezeit

Kultur: Ostlatènekultur


Import

Herstellungsregion: Ostlatèneraum (Bayern, Österreich, Slowakai, Slowenien, Tschechien, Ungarn)

Herstellungszeit: 2.–1. Jahrhundert v. Chr.

Gleich zweimal Schwein gehabt – ein keltischer Eber in Westfalen

Da staunte der Heimatforscher Fritz Dietz nicht schlecht: Bereits seit Jahren suchte er auf Äckern bei Erwitte und Lippstadt nach Funden und hatte schon unzählige Artefakte von der Steinzeit bis in modernste Epochen entdeckt. Aber im Juli 2002 fand er ein kleines Buntmetallobjekt, das in Westfalen einzigartig ist – die Statuette eines bronzenen Schweins.

Das kleine Objekt mit den niedlich wirkenden Ohren steht dabei für einen gefährlichen Eber. Noch heute garantieren imposante Wildschweine mit ihren riesigen Hauern furchteinflößende Momente bei Spaziergängen in unseren heimischen Wäldern. Daher verwundert es auch nicht, dass der Eber bereits in der Vorstellung der Kelten vor über 2000 Jahren für Kraft, Wildheit und Stärke stand. Da Erwitte weit nördlich der keltischen Zivilisation liegt, war die Bedeutung des Eberfundes schnell klar: Hierbei handelt es sich um ein fremdes Artefakt aus weit entfernten Regionen. Diese Importe sind für die Archäologie wesentlich, um die vergangenen kulturellen Kontakte zwischen den verschiedenen Räumen zu verstehen oder gar zu rekonstruieren.

Wegen seiner Bedeutung für die Wissenschaft wurde das Schwein in der Ausstellung der nordrhein-westfälischen Landesarchäologie 2005 stolz in seiner Schönheit präsentiert. Nicht aber in seiner vollen Schönheit: Der Fehler lag darin, dass keine vollständige Statuette gefunden worden war, sondern eine Eberfigur, deren Rücken und Ohren abgebrochen waren. Dieser Makel hat aber Konsequenzen bei der Bewertung des Artefaktes. Denn aufgrund der stilistischen Gestaltung von Schnauze, Brustpartie und Rückenkamm kann anhand von Vergleichen aus der keltischen Welt eine Zuordnung erfolgen, es kann bestimmt werden, wie alt das Stück ist und wo wahrscheinlich sein Herstellungsort lag. Für die Landesausstellung 2005 ist die Rückenpartie des Ebers rekonstruiert worden. Da Archäologen dabei in der Regel eher vorsichtig sind, wurde wegen naheliegender süddeutscher und französischer Beispiele nur ein relativ simpler Rücken mit niedrigem, abgesetztem Rückenkamm ergänzt.

Fritz Dietz hatte aber noch einmal Schwein: Noch im Jahr der Ausstellung fand er auf dem gleichen Acker das fehlende Puzzleteil zum Verständnis des Ebers von Erwitte: Er ist tatsächlich nicht nur mit einem hoch aufragenden, sondern mit einem mehrfach durchbrochenen Rückenkamm ausgestattet. Dieser charakteristische Kamm spricht nun für die Herstellung des Schweins im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. in anderen Regionen, als ursprünglich vermutet worden war. Der Eber kommt nicht aus Südfrankreich, sondern wurde im Südosten zwischen Bayern und Westungarn hergestellt.

Manuel Zeiler

Weiterführende oder zitierte Literatur

Michael Baales/Anna Helena Schubert, Ein keltischer Eber in Westfalen – Glücksbringer oder Beschützer? In: Heinz Günther Horn u.a. (Hrsg.), Von Anfang an. Archäologie in Nordrhein-Westfalen. Ausstellungskatalog Köln, Herne. Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 8 (Mainz 2005) 359-–361.

Manuel Zeiler/Eva Cichy/ Michael Baales, Die Vorrömische Eisenzeit in Südwestfalen – Eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand. In: Hans-Otto Pollmann (Hrsg.), Archäologische Rückblicke. Festschrift Daniel Bérenger. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 254 (Münster 2014) 91–125.