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058 Goldring

Römisches Gold für germanische Götter

© LWL/Stefan Brentführer

Goldringe

Fundort

Westerkappeln

Kreis Steinfurt


Fundumstände

Kontext: Hortfund

Datum: 1920


Objekte

Material: Gold

Durchmesser: Fingerring 2,2 cm, Goldring 2,2 cm

Gewicht: Goldring 25,7 g


Datierung 

um 400

Epoche: Völkerwanderungszeit

Römisches Gold für germanische Götter

Was für eine chaotische Geschichte: Da findet im Herbst 1920 ein Bauer bei Ausschachtungen in der Nähe von Westerkappeln ein kleines Tongefäß, in dem ein Klumpen Goldmünzen – 41 sollen es gewesen sein –, das Fragment eines Halsrings und ein Fingerring mit Glassteinen verborgen waren. Und zwei Jahre später ist der Fund in alle Winde verstreut! Die ersten Münzen wurden gleich an Bauarbeiter und Nachbarn verteilt, von ihnen fehlt jede Spur. Etwa die Hälfte konnte noch von Experten am damaligen Münsterschen Landesmuseum begutachtet werden, es fehlte aber das Geld für den Ankauf. Nach einer Zwischenstation in München wurden sie an einen Privatmann verkauft. Der gab 1922 die beiden Goldringe im Tausch gegen eine Holzmadonna nach Münster. Von den Münzen – jetzt noch 16 – gibt es zum Glück immerhin noch Fotos. Es waren alles Solidi mit einem Gewicht von 4,5 g. Die älteste Münze wurde unter Constantin II (337/340 n. Chr.) in Thessaloniki geprägt, die jüngste unter Valens (364/367 n. Chr.) in Mailand. Weitere Münzstätten sind Trier, Rom und Antiochia.

Damit gehört der Fund zu einer größeren Zahl von Schatzfunden, die in Nord- und Westdeutschland im 4. oder beginnenden 5. Jahrhundert niedergelegt wurden (→ Nr. 057). Womit aber konnte man zu dieser Zeit so viel Geld verdienen? Die Münzen sind prägefrisch, waren also nicht im Umlauf. Wahrscheinlich handelt es sich um Soldzahlungen, mit denen der spätrömische Staat sich germanischen Schutz erkaufte, und damit um die Barschaft eines germanischen Heerführers.

Einige der westfälischen und niederländischen Schatzfunde dieser Zeit weisen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auf: Neben den goldenen Solidi sind jeweils Ringe vertreten, meist große goldene Halsringe mit charakteristischer Punzverzierung. Im Westerkappelner Fund ist nur noch ein kleines Stück eines solchen Halsrings, das mit Absicht abgehackt worden war. Demnach waren diese Ringe nicht nur Schmuck und Rangabzeichen, sondern auch eine Art Goldbarren, von denen man bei Bedarf Teile abtrennte – ohne Rücksicht auf die Verzierung. So wurde Schmuck wieder zu Gold!

Die einheitliche Zusammensetzung der Schatzfunde sagt aber auch etwas über die Gründe der Niederlegung. Hätte man all seine Wertsachen in Kriegszeiten versteckt, wären ganz unterschiedliche Dinge im Boden gelandet. So können wir davon ausgehen, dass der Heerführer ganz bewusst diese ausgewählten Kostbarkeiten an einer besonderen Stelle, vielleicht einem Heiligtum, als Weiheopfer vergrub. Das diente dann nicht nur seinem Ansehen bei den Göttern, sondern auch bei den Lebenden. Es bleibt die Frage, was an dem Ort bei Westerkappeln damals so besonders war – aber das wissen wohl nur noch die Götter.

Christoph Grünewald

Weiterführende oder zitierte Literatur

Bernard Korzus, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland Abt. VI. Bd. 4 Regierungsbezirk Münster (Berlin 1971) 121–122.

Dieter Quast, Velp und verwandte Schatzfunde des frühen 5. Jahrhunderts. Acta Praehistorica et Archaeologica 41, 2009, 207–230.