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079 Bleibulle

Mit Brief und Siegel direkt vom Papst

© LWL/Stefan Brentführer

Bleibulle von Papst Innozenz IV. (1243–1254)

Fundort

Paderborn, Marktplatz

Kreis Paderborn


Fundumstände

Kontext: Einzelfund

Datum: Juni 2014


Objekt

Material: Blei

Durchmesser: 38–39 mm

Dicke: 5 mm

Gewicht: 47,4 g


Datierung 

Juni 1243 bis Frühjahr 1247

Epoche: Hochmittelalter

Herrschergeschlecht: Staufer

Stilepoche: Romanik

Mit Brief und Siegel direkt vom Papst

Es stammt aus dem Zentrum der römischen Christenheit: ein päpstliches Siegel, eine sogenannte Bulle, die in aller Regel aus Blei besteht. Sicherlich war es ein ganz besonderer Moment, als sie auf dem Paderborner Marktplatz bei einer Ausgrabung zum Vorschein kam. Das Siegel von Innozenz IV. (1243–1254) ist der letzte Rest einer Urkunde dieses Papstes mit Zielort Paderborn.

Man kann sogar stark eingrenzen, an welcher Urkunde die Bulle einst hing: Am wahrscheinlichsten war es eine vom 15. November 1246 für zwei Kanoniker des Busdorfstifts oder eine vom 5. Dezember 1246 für den Propst des Busdorfstifts, beide Male in einer Pfründangelegenheit. Pfründen bildeten die materiell-finanzielle Ausstattung von Geistlichen, und jede Pfründsache wurde grundsätzlich vom Papst geregelt.

Derartige Urkunden haben im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit zu Hunderten, Tausenden pro Jahr die päpstliche Kanzlei in Rom, Avignon oder – wie bei Innozenz IV. – auch Lyon verlassen. Das Papsttum wurde so seinem Anspruch gerecht, als geistliches Oberhaupt der römisch-katholischen Welt überall auch administrativ-ordnend einzugreifen. Und an jeder Papsturkunde hing eine Bulle, ein Siegel, das diese beglaubigte und erst zu einem gültigen Rechtsdokument machte.

Das Paderborner Fundstück ist außergewöhnlich gut erhalten. Die eine Seite zeigt die Köpfe der Apostel Paulus links und Petrus rechts, jeweils mit Heiligenschein; durch die Inschrift [anctus] PA [ulus][anctus] PE [trus] werden sie identifiziert. Mit diesem traditionellen Siegelbild brachte jeder Papst die Grundlage seiner geistlichen wie weltlichen Macht, als Nachfolger der Apostelfürsten Petrus und Paulus, unmittelbar zum Ausdruck. Die andere Seite der Bulle nennt noch Namen, Titel und Ordnungszahl des Papstes: INNO|CENTIVS | P [a][a] IIII.

Wie aber kommt eine päpstliche Bulle auf den Paderborner Marktplatz oder überhaupt in den Boden? Tatsächlich hatten viele Urkunden, auch Papsturkunden, nur einen vorübergehenden Wert, speziell wenn sie wie hier einzelne Personen betrafen. Spätestens nach deren Tod konnten sie recycelt werden: Das Pergament wurde abgeschabt und wieder beschriftet, vor allem aber musste, um Missbrauch zu verhindern, das Siegel aus dem Verkehr gezogen werden. Häufig wurde es deshalb als Altmetall eingeschmolzen, oder man entsorgte es an einem sicheren Ort. Es ist gut möglich, dass das Stück mit einer Latrinenleerung auf den Paderborner Marktplatz kam, der im 13. Jahrhundert nachweislich unter einem massiven Abfall- und Abwasserproblem litt. Manchmal konnten hochgeistliche Objekte auch ein sehr profanes Ende finden.

Stefan Kötz

Museum

LWL-Museum in der Kaiserpfalz, Paderborn

Weiterführende oder zitierte Literatur

Stefan Kötz, Eine Bleibulle Papst Innozenz’ IV. vom Paderborner Marktplatz. Archäologie in Westfalen-Lippe 2014, 2015, 133–136.