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028 Beilhort

Bei den Hügeln der Ahnen für die Götter vergraben?

© LWL/Stefan Brentführer

Beilhort

4 Lappenbeile
1 Tüllenbeil

Fundort

Löhne-Obernbeck

Kreis Herford


Fundumstände

Kontext: Depotfund in einem Gräberfeld

Datum: 1898


Objekt

Material: Bronze

Längen: 9,5–16,8 cm

Breiten: 2,7–3,8 cm

Höhen: 2,7–4,7 cm


Datierung 

1000–900 v. Chr.

Epoche: Späte Bronzezeit

Bei den Hügeln der Ahnen für die Götter vergraben?

Nur eine kurze Notiz aus dem Jahr 1907 berichtet über den Fund von fünf Bronzebeilen in Löhne-Obernbeck. Die Funde gaben schon damals Rätsel auf: Der Vermutung, dass es sich um den Rest eines Kriegergrabes handelt, wird schon bald widersprochen, obwohl die Beile auf einem Gräberfeld zwischen Grabhügeln vergraben worden waren. Nun sprechen Archäologen von einem Versteckfund. Doch wer verwahrte die noch gebrauchsfähigen Bronzebeile und warum? Der Fundplatz gibt Anlass zu weiteren Spekulationen: Nutzte hier jemand die vermeintliche Totenruhe für Warenverstecke? Aber warum hat er die wertvollen Funde später nicht wieder ausgegraben? Kam er vielleicht nicht mehr dazu oder hat er die Stelle nicht wiedergefunden?

Eine dritte Deutung verweist auf eine ganz andere Absicht. Demnach wurden die Beile für die Ahnen vergraben. Vielleicht wollte man auf diese Weise die Vorfahren ehren oder die Götter oder Mächte des Jenseits bestechen, quasi symbolisch ein gutes Wort für den oder die Verstorbenen einlegen. Hier stoßen Archäologen aber an ihre Grenzen, denn Religion und Jenseitsvorstellungen, die damals noch nicht aufgeschrieben wurden, können heute nicht anhand der Bodenfunde zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammengesetzt werden.

Doch was kann die Archäologie über diese Zeit vor etwa 3000 Jahren überhaupt sagen? Zunächst fällt auf, dass die Funde in der Nähe eines Flusses, der Werre, entdeckt wurden. Eine typische Lage für diese Zeit, denn allein zwischen Herford und Bad Oeynhausen sind im Werretal inzwischen neun Gräberfelder bekannt und drei weitere einzelne Beile gefunden worden. Diese Bronzebeile sind möglicherweise unter ähnlichen Umständen wie die Löhner Beile in den Boden gelangt. Damit ist sicher, dass die Menschen in der Bronzezeit das Werretal nicht nur sporadisch aufsuchten, sondern die Landschaft dort geprägt haben. Bereits etwa 2000 Jahre vorher, noch in der Jungsteinzeit, erschlossen erstmals Menschen dieses Flusstal und errichteten in Bad Oeynhausen-Werste ein Großsteingrab für ihre Angehörigen. Auf einzelnen Gräberfeldern wurde teilweise über 2000 Jahre lang immer wieder bestattet – eine Tradition von einzigartiger Dauer!

Siedlungen der Bronzezeit sind dort aber trotz über hundertjähriger Forschung bisher komplett unbekannt. Wahrscheinlich zogen die Menschen mit ihren Viehherden entlang der Werre und lebten in mobilen Behausungen, die keine Spuren im Boden hinterlassen haben. Dabei passierten sie regelmäßig die sichtbaren Grabhügel, die ihnen feste Orientierungspunkte boten: als Bestattungsplätze und für religiöse oder kultische Handlungen und in diesem Zusammenhang auch, um Beile im Boden zu deponieren – aus welchem Grund auch immer.

Sven Spiong

Museum

Zentrales Fundarchiv der LWL-Archäologie für Westfalen, Münster (nicht öffentlich zugänglich)

Weiterführende oder zitierte Literatur

Daniel Bérenger, Beile für Morgen oder für die Ewigkeit? Hortfunde der Jungbronzezeit. In: Daniel Bérenger/Christoph Grünewald (Hrsg.), Westfalen in der Bronzezeit (Münster 2008) 110–111.

Daniel Bérenger/Elke Treude, Die vorrömischen Metallzeiten. In: Daniel Bérenger/Elke Treude (Hrsg.), Ostwestfalen-Lippe. Ausflugsziele zwischen Detmold, Bielefeld und Porta Westfalica. Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur 50 (Stuttgart 2009) 61–68.

Gerald Görmer, Zur Terminologie »Hortfunde« (»Depotfunde«) und »Einzelfunde«. Archäologische Informationen 25, 2002, 89–90.

Svend Hansen, Über bronzezeitliche Depots, Horte und Einzelfunde: Brauchen wir neue Begriffe? Archäologische Informationen 25, 2002, 91–97.