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016 Angelhaken

Zum Anbeißen! Ein alter Haken für dicke Fische

© LWL/Stefan Brentführer

Angelhaken

Fundort

Greven-Bockholt

Kreis Steinfurt


Fundumstände

Kontext: Einzelfund

Datum: Juli 2015


Objekt

Material: Knochen

Länge: 7,0 cm

Breite: 2,8 cm

Dicke: max. 0,8 cm


Datierung 

2751 ± 86 v. Chr. (14C-Datierung)

Epoche: Endneolithikum

Kultur: Einzelgrabkultur

Zum Anbeißen! Ein alter Haken für dicke Fische

Fische dürften zu allen Zeiten auf dem Speiseplan der Menschen gestanden haben. Angelhaken, die in Brandenburg und Südfrankreich gefunden wurden, konnten vor Kurzem an das Ende der Altsteinzeit datiert werden, sind also etwa 14.000 bis 11.000 Jahre alt. Die tatsächliche Bedeutung der Fischerei in bestimmten Perioden der Urgeschichte ist aber insgesamt recht schwierig zu beurteilen, denn sowohl Fischreste als auch Fanggeräte (→ Nr. 004) sind nur selten aufzuspüren. Die notwendige Ausrüstung wie Angeln, Harpunen, Reusen und Netze gingen in der Regel nicht innerhalb der Siedlungsbereiche verloren, sondern in den Gewässern, in denen gefischt wurde. Und Gräten und Schuppen sind so unscheinbar, dass sie bei archäologischen Untersuchungen nur mit aufwendigen Verfahren wie dem Sieben der Erde zu erfassen sind – falls sie sich überhaupt erhalten haben. Es bestehen daher selbst bei einer systematischen Suche kaum Chancen, derartige Belege für die steinzeitliche Fischerei zu entdecken.

Spektakulär war deshalb ein Fund unseres ehrenamtlichen Mitarbeiters Gregor Laufer, wirft er doch ein Schlaglicht auf die steinzeitliche Binnenfischerei in unserem Raum. Anfang Juli 2015 entdeckte er auf der Halde einer Sandgrube südlich von Greven einen Angelhaken aus Knochen. Der Schaft des Fundstückes ist relativ grob bearbeitet, auf seiner Rückseite sind noch die schwammigen Teile des Röhrenknochens erkennbar. Eine flache Einschnürung am oberen Ende diente offensichtlich der Befestigung einer Angelschnur. Die untere Rundung des Hakens und die Spitze ohne Widerhaken sind dagegen sorgfältig geglättet und poliert.

Das Artefakt weist große Ähnlichkeit mit mittelsteinzeitlichen Exemplaren aus Dänemark auf. Allerdings ergab eine Datierung mit der Radiokarbonmethode eine Überraschung. Das Objekt erwies sich als deutlich jünger und gehört in den letzten Abschnitt der Jungsteinzeit. Der Grevener Angelhaken ist mit seinem Alter von etwa 4800 Jahren das älteste sicher datierte Fischfanggerät dieser Art in Westfalen und zeigt die lange Tradition der Petri Jünger in unserem Landesteil. Im Vordergrund dürfte damals indes der Nahrungserwerb und nicht das Freizeitvergnügen gestanden haben.

Sucht man nach etwa gleich alten Vergleichsfunden, so wird man erst am Dümmer in Niedersachsen oder in den heutigen Niederlanden fündig. Alle Exemplare sind aber etwas kleiner – was nicht verwundert: Unser Angelhaken ist mit 7 cm Länge und bis zu 0,8 cm Dicke sehr massiv. Der Angler in Greven hatte es also offensichtlich auf die besonders dicken Fische abgesehen.

Bernhard Stapel

Privatbesitz

Gregor Laufer (Finder, nicht öffentlich zugänglich)

Weiterführende oder zitierte Literatur

Frank Both, Mensch und Fischfang seit der Urgeschichte. In: Peter-René Becker/Ulf Beichle (Hrsg.), Mensch, Fisch! Ausstellungskatalog Oldenburg. Schriftenreihe des Landesmuseums Natur und Mensch 90 (Oldenburg 2012) 19–31.

Rainer Kossian, Hunte 1. Ein mittel- bis spätneolithischer und frühbronzezeitlicher Siedlungsplatz am Dümmer, Ldkr. Diepholz (Niedersachsen). Die Ergebnisse der Ausgrabungen des Reichsamtes für Vorgeschichte in den Jahren 1938 bis 1940. Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums Hannover 52 (Hannover 2007).

Leendert Pieter Louwe Kooijmans, Sporen in het land. De Nederlandse delta in de prehistorie (Amsterdam 1985).

Bernhard Stapel, Petri Heil vor 5000 Jahren in Greven-Bockholt. Archäologie in Westfalen-Lippe 2015, 2016, 48–50.